SSG45-Strategie

Die “Short Strangle – 45D”-Strategie (SSG45) besteht aus einer Short-Call und einer Short-Put-Position, die jeweils aus dem Geld sind. Verkauft wird der Strangle mit einer Laufzeit von ca. 45 Tagen (45 Days). Im Gegensatz zur Wheel-Strategie gehört der Verfall oder die Andienung nicht zum Trade.

Ich handle die Strategie nach dem Tastyworks Setup, dass mit einem Strike-Abstand von einer Standardabweichung schon eine enorme Erfolgswahrscheinlichkeit (95%) aufweist. Dennoch handle ich die Strategie partiell noch etwas passiver und wähle partiell weiter entfernte Strikes um mich an Widerständen positionieren zu können.

Ziel ist es einen möglichst hohen Zeitwertverfall zu erreichen. Es geht rein um die Prämieneinnahme.

Es ist nicht geplant, den Trade tatsächlich bis zur Expiration zu halten. Die Position gewinnt durch Zeitwertverfall und durch eine Abnahme der impliziten Volatilität. Short Strangles verfallen üblicherweise wertlos, heißt beide Seiten haben weder einen inneren Wert, noch einen Zeitwert. Du fragst dich jetzt, vielleicht, warum ich dann die Position früher schließe? Die Antwort ist recht einfach. Der Zeitwertverfall beim Strangle ist üblicherweise nicht linear. Am Anfang geht es recht schleppend, dann zügig, dann holperts vor sich wieder hin und zum Ende des Trades geht es wieder zügig. Laut Tastytrade (Video bei Minute 6) hat ein Short Strangle nach ca. 20 Tagen, 57% seines Zeitwerts verloren, nach weiteren 10 Tagen, jedoch nur 67%. Für zehn Prozent den Trade 10 Tage länger laufen zu lassen, macht daher für mich keinen Sinn, da die annualisierte Rendite für diese Tage zusammenbricht. Ein Profit-Target von 25% macht laut Tastytrade ebenfalls kein Sinn aufgrund der annualisierten Rendite.

Vorteil der Strategie ist, dass sie sich Short Strangles auch sehr gut mit kleinen Konten traden lässt und viele Trades aufsetzen kann. Um die Wheel-Strategie zu traden, bedarf es meiner Meinung nach mind. eine Buying Power von 30.000 €, da man sonst nicht diversifizieren kann und kaum Trades findet. Das ist bei Short Strangles wesentlich einfacher.

Meine Regeln für die SSG45-Strategie

Trade Your Rules wäre nicht Trade Your Rules wenn ich kein konkretes Regelwerk hätte um die SSG45-Strategie zu handeln. Viele dieser Regeln habe ich mir nicht selbst ausgedacht sondern entspannen aus Blog Beiträgen oder YouTube Tutorials. Die meisten Regeln entstammen dem Regelwerk von Tastytrade.

Allgemeine Regeln

  • Ich handle auf Margin mit 1:2. Aus beispielhaft 100 TEUR wird somit eine Kaufkraft von 200 TEUR. Die Margin ermöglicht mir einen Hebel auf mein eingesetztes Kapital. Erwirtschafte ich 20% Rendite pro Jahr, ergibt das 40% auf mein eingesetztes Kapital.
  • Gehandelt werden US-Optionen auf Aktien und ETFs.
  • Das Underlying läuft in einem Seitwärtstrend und Kursausbrüche über und unter die Strikes werden nicht erwartet.

Regeln für die Trade-Eröffnung

  • Das Verfallsdatum liegt ca. 30 – 60 Tage entfernt. Perfekt sind 45 Tage.
  • Der Wert sollte nicht mehr als 140$ kosten. Über meine Trade Auswertung habe ich festgestellt, dass ein 2 X Looser ansonsten bei mehreren Rollvorgängen auch sehr schnell mehrere Monatsergebnisse komplett vernichten kann. Teuerere Werte passen daher noch nicht zu meiner Kontogröße. Einen Trade wie z.B. auf SMH sollte ich daher in Zukunft erstmal vermeiden, solange das Konto noch nicht so groß ist. Daher halte ich mich bezüglich Strangles an “Trade small, trade often”.
  • Sowohl der Call, wie auch der Put, werden gemeinsam verkauft. Beim Trade schließen werden sie auch wieder gemeinsam zurückgekauft um den Trade zu schließen.
  • Das Delta sollte am besten einer Standardabweichung entsprechen. Dies entspricht einem Delta von 16. Das Delta kann auch niedriger als 16 sein, wenn man damit an einen Widerstand den Strike setzen kann. Das Delta darf nicht größer als 25 sein. Je näher man ans Geld geht, desto langsamer ist der Zeitwertverfall. Daher bringen Positionen näher am Geld nichts und sind eher kontraproduktiv, was die annualisierte Rendite anbelangt (liquide Strikes beachten; siehe unten).
  • Setzte den Trade wenn möglich Delta-Neutral auf oder mit einem maximalen Delta von -0,1. Dies bedeutet, der Call bekommt ein niedrigeres Delta. Ich sehe für mich, dass die Call-Seite das größere Risiko darstellt, daher gebe ich hier gerne etwas mehr Puffer, sofern es gerechtfertigt ist. Ausnahme für die Regel ist, dass es einen real existierenden Widerstand für die Call-Seite gibt, dann kann auch eine Position mit einem Delta von bis zu 0,1 aufgebaut werden (Trade-Beispiel: AMD).
  • Mindestens einer der Strikes wird an einen bisherigen Widerständen gesetzt. Fibonacci-Retracements und Trend-Based-Fibonacci-Extensions können genutzt werden zur Bestimmung des zweiten Strikes, sollte noch kein Widerstand existent sein oder das Delta sonst zu hoch sein. Zur Besseren Erläuterung habe ich das in meinem Etsy-Trade genauer beschrieben.
  • Manchmal kommt es dazu, dass es keinen Strike-Preis für einen Widerstand gibt, dann kannst du auch etwas darüber oder darunter gehen, so dass das Delta wieder neutral ist.
  • Nach Eröffnung wird eine 50% Take-Profit-Order (Good Till Cancel) zum schließen der Position eingestellt.
  • Da der Zeitwertverfall wesentlich von der impliziten Volatilität abhängt, sollte die implizite Volatilität bei ca. 50 – 70% liegen. Auch Werte darunter sind akzeptabel, sofern die Volatilität am Gesamtmarkt niedrig ist. Startet man einen Trade bei niedriger Volatilität, muss man besonders auf Volatilitätsanstiege achten, sonst kann aus dem Strangle ein gefühlter Straddle werden.
  • Die erhaltene Prämie muss insgesamt mind. 1$ betragen, damit die annualisierte Rendite für den Kapitaleinsatz das Risiko rechtfertig.
  • Das Underlying und die Strikes müssen liquide sein. Sonst ist nicht gewährleistet, dass man aus dem Trade bei Erreichung des Take Profits auch wieder zu einem adäquaten Preis herauskommt. Daher gehe bevorzugt auf monatliche Optionen, die eine höhere Liquidität aufweisen.

Ein gutes Video für die Trade-Eröffnung findet man übrigens hier.

Regeln für das Adjustieren des Trades

Die Adjustierung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Ist der Kurs innerhalb der beiden Strikes, mache nichts!
  2. Wird die 21 Tage Grenze erreicht, Rolle nach vorne. Solltest du schon einmal gerollt haben, verifiziere ob Rollen noch Sinn macht. Dies kann z.B. bei Zyklikern noch Sinn machen.
  3. Sollte eine Seite des Trades vor der 21 Tage Grenze getestet werden, heißt die Seite ist im Geld und der Break Even ist erreicht, kann die ungetestete Seite nachgezogen werden. Die nachgezogene Seite soll dabei nicht an einen Widerstand gesetzt werden, sondern sie soll das Delta des Trades um 30-50% reduzieren.
    Beispiel: Die Call Seite wird getestet, sprich Break Even ist erreicht und das Delta der Call Position ist -0,6, das des Puts ist 0,07, dann ist das gesamte Delta der Position -0,53. Zieht man den Put nach, z.B. auf Delta 0,3, dann ist das neue Delta der Position -0,6 + 0,3 = -0,3. Rechnet man die prozentuale Veränderung aus ergibt das (1-(-0,3/-0,53)) * 100 = 43,4%. Das Delta wurde demnach fast halbiert.
    Alternativ darf man den Strangle auch vorwärts in der Zeit rollen, sofern man näher an den 21 Tagen bis zum Verfall dran ist, statt zu den 45 Tagen.
    Als insgesamte Alternative zum rollen, kann auch die ungetestete Seite komplett geschlossen werden. Gerade bei größeren Bewegungen wird die ungetestete Seite oft wertlos und mehr als 65-90% der Prämie sind dann verdient. Wenn der Wert zurückkommt, kann man die ungetestete Seite in Stärke hinein erneut verkaufen. Bei dieser Anpassung erhöht man beim Rückkauf das Risiko, da man Prämie zurück zahlt. Allerdings ist die fast wertlose Position nicht mehr das Risiko wert sie zu halten. Das Zurückkaufen kommt vor allem dann in Betracht, wenn der Kurs auf einen Support oder Resistence trifft und die Chance groß ist, dass eine Gegenbewegung kommt.
  4. Läuft der Trade immer noch gegen mich und der Break Even wird erneut getestet, wird die ungetestete Seite weiter an den Streik Preis der getesteten Position gezogen, sofern Rollen in der Zeit nicht möglich ist.
  5. Läuft der Trade immer noch gegen mich und der Break Even wird erneut getestet, wird die ungetestete Seite auf den Streik Preis der getesteten Position gezogen, sofern Rollen in der Zeit oder eine weitere Verengung des Abstands der Call und Put Positionen nicht möglich ist. Es wird ein Short-Straddle aus dem Trade. Beachte, dass ein Short Straddle normalerweise nur eine Gewinnwahrscheinlichkeit von gemanagten 60-65% hat und ein Short Straddle bei Verfall noch einen durchschnittlichen Wert von ca. 22% der maximalen Prämie hat (siehe Abbildung oben).
  6. Läuft der Trade immer noch gegen mich und man kann immer noch nicht in der Zeit rollen, wird der Trade invertiert. Was bedeutet das? Wenn Call-Seite getestet wird und der Kurs weiter steigt, wird der Strike des Puts oberhalbe des Calls positioniert. Wenn die Put-Seite getestet wird und der Kurs weiter sinkt, wird der Strike des Calls, unterhalb des Puts positioniert. In beiden Fällen bleib der Strike der getesteten Seite wo er ist. Der Strike der gerollten Position wird am Geld positioniert. So wird der meiste Zeitwert als Prämie verdient und kein innerer Wert bezahlt. Ein Beispiel zur Verteidigung eines Short-Strangles mit einem invertierten Strangle, findest du in einem Blog Beitrag von dough. Wichtig beim invertieren ist, dass man weiterhin im Profit bleibt. Sowohl die Call-Position als auch die Put-Position sollten am Ende im Geld sein. Die Prämie, die man bis dahin eingenommen hat, sollte am Expiration Day dafür ausreichen, den inneren Wert für beide Positionen zu bezahlen. Ein invertierten Strangle rolle ich im Gegensatz zu den Tastyworks-Regeln normalerweise nicht nach vorne, wenn die 21 Tage Grenze erreicht sind. Ich würde nie einen Trade als invertierten Strangle eröffnen, warum sollte ich das beim vorwärts Rollen tun? Die Strikes sind dann schon so nah beieinander, dass der Gewinnbereich nur noch sehr schmal ist. Dann lieber die Position schließen und das gebundene Kapital frei bekommen. Der jetzt aufgesetzte Trade hat nichts mehr mit dem Original-Trade zu tun, den man geplant hatte. Nicht jeder Trade muss ein Winner sein. Man muss sich schließlich die Frage stellen, kann ich mit dem gebundenen Kapital nicht in einem anderen Trade mehr erreichen. Fürs Ego sind 10$, nach vielleicht 6 Monate Haltezeit ein Winner, für den Geldbeutel aber nicht! Eine Ausnahme besteht hierfür. Wenn man schon soviel Prämie eingesammelt hat, dass der Profit -Bereich noch groß ist, kann auch ein invertierter Strangle in der Zeit gerollt werden. Beispiel hierfür ist ein Trade auf CHWY.
    Schließen sollte man einen invertierten Strangle auf jeden Fall vor Verfall, da man sich so die Assignment-Gebühr für beide Positionen spart.

Kurzzusammenfassung: Prüfen ob in der Zeit gerollt werden kann. Wenn das nicht geht, dann das Delta reduzieren durch heranrollen der ungetesteten Seite bis maximal zur Invertierung des Strangles. Straddles und invertierte Strangles sollten die Ausnahme sein.

Der Break Even berechnet sich übrigens für die Call Seite aus Strike + Prämie für den Call + Prämie für den Put. Sprich z.B. Call Strike von 100$ + 1,30$ für den Call + 1,70$ für den Put, dann liegt der Break Even bei 103$. Für die Berechnung des Break Evens für die Put Seite muss man vom Strike die Call und Put Prämie abziehen. Bei einem Strangle mit z.B. einem Put Strike von 100$ und gleichen Call und Put Prämien wäre der Put Break Even bei 97$.

Ein gutes Video zur Adjustierung findest du hier.

Regeln für das Schließen des Trades

  • Die Position wird bei 50% Take Profit geschlossen. Das sollte im besten Fall so ca. 14 – 28 Tage dauern.
  • Die Position wird bei einem Verlust von 200% der Prämie geschlossen, sofern die Position im Geld ist und die Adjustierungen nicht geholfen haben.
  • Es kann sein, dass das Verfallsdatum noch in weiter ferne ist und die Strikes noch nicht mal berührt wurden. Dennoch kann der Strangle weit ins Minus laufen. Dies kann zum Beispiel durch einen Anstieg der Volatilität oder durch die Annäherung an einen Strike geschehen. In diesem Fall untersuche die Ursache und schätze das Risiko ein aber schließe den Trade noch nicht, sondern gebe ihm mehr Zeit durch nach vorne Rollen, wenn die 21 Tage Grenze erreicht wird. Solange der Kurs innerhalb des Break-Even ist, gibt es nichts zu tun außer vielleicht in der Zeit zu rollen.

Die wichtigste aller Regeln

Don’t panic!

Die wichtigste aller Regeln lautet, nicht in Panik und Aktionismus zu verfallen, sollte ein Trade einmal gegen dich laufen. Don’t panic!

Aber, aber, aber …

Nein, nichts “aber”. Du kennst alle Möglichkeiten die im Laufe der SSG45-Strategie auftreten können. Du rechnest mit Kursverlusten während der Haltephase und du hast einen Plan wie du dich auch aus misslichen Lagen befreien kannst. Das Regelwerk leitet dich.